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Swiftech Apogee XT (Sockel 775/1156/1366) - Review

Erscheinungsbild & Funktionsweise

Die schöne Kassiopeia, Gattin des Königs von Äthiopien, Kepheus, wähnte sich schöner als die Nereiden, die Nymphen des Meeres. Das erboste Poseidon so sehr, dass er dem Meeresungeheuer Keto auftrug, die Küstengebiete des afrikanischen Landes heimzusuchen. Um diesem Unglück ein Ende zu bereiten und Poseidon zu besänftigen, empfahlen Orakel, die Tochter der Kassiopeia und des Kepheus zu opfern. Ohne Perseus nicht uneigennütziges Eingreifen, wäre der jungen Andromeda nur die Hoffnung geblieben, ähnlich dem biblischen Prophet Jona nach ein paar Tagen wieder ausgespuckt zu werden.

Was laut verkündetes Selbstbewusstsein bewirken kann, wissen wir nun. Daher ist es sicherlich nicht verkehrt, dass der Apogee XT nicht sprechen kann.

Ein kurzer Augenblick genügt und selbst der Kenner unter den Könnern wird diesem Kühler seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wir haben es definitiv mit einer außergewöhnlichen Schönheit zu tun, die auffallend ausfallend ist. Swiftech schafft es, den Apogee XT irgendwo zwischen den Extremwelten der fernen Sterne und den Tiefen des Meeres einzuordnen, was angenehm irritierend, fast inspirierend wirkt.

Die optischen Reize des Kühlers haben ihren Ursprung nicht nur in der exzellenten Verarbeitung des CNC-gefrästen Deckels, es gibt mehr zu entdecken. Ganze zwölf Schrauben halten das harmonische Gebilde aus Anthrazit und Silber zusammen. Sechs größere Inbusschrauben sind für den Zusammenhalt von Montageblende und Kühler eingespannt. Die anderen Sechs kleineren Inbusschrauben befinden sich auf dem diagonal von einer zur anderen Ecke verlaufenden Hügel, wo sie eines der beiden Gewinde umrandend schmücken. Hier liegt auch die angesprochene Besonderheit des Apogee XT. Der Eingang dieses Wasserkühlers lässt sich herausnehmen und herumdrehen, wodurch auch die Montage von Anschlüssen mit besonders großen Durchmessern ermöglicht wird, die ansonsten durch den zu geringen Abstand zwischen Ein- und Ausgangsgewinde verhindert würde. Dieses in Silber gehaltene Modul ist es auch, was dem Apogee XT Tiefseecharakter verleiht.

Die silberne Montageblende umrahmt den Kühlerdeckel, als handele es sich um ein Gemälde. Unterschrieben haben die Künstler mit einem silbernen Schriftzug, der auf schwarzem Untergrund gebettet ist. Die vier großen schwarzen Rändelschrauben, die für die Spannung der Feder zuständig sind, lassen sich sowohl per Hand als auch per Kreuz- oder Schlitzschraubenzieher festziehen. Das  garantiert ein hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit und tut dem Gesamtbild keinen Abbruch.

Lange Zeit kannten die Menschen den Erdtrabanten namens "Mond" nur von einer Seite. Erst der wahnwitzige Rüstungswettstreit zwischen Russen und Amerikaner zu Zeiten des Kalten Krieges ermöglichte, was vorher zwar in Visionen möglich erschien, aber doch illusorisch war: Die Mondlandung. Und selbst heute noch hegen viele Menschen Zweifel an der Wahrhaftigkeit dieses Ereignisses, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Mensch den Mond bislang nicht detailgetreu genug fotografieren konnte. Die Rückseite des Mondes ist den meisten von uns folglich gänzlich unbekannt.
Zum Glück treffen diese Umstände nicht auf unsere Kühler zu. Drum haben wir uns den Swiftech Apogee XT sowohl von unten als auch von innen betrachten können.

Unerreicht spiegelglatt. Politur auf höchstem Niveau. Swiftech hat nicht zu viel versprochen und hat den Sternenglanz auf den Kühlerboden gebannt. Dagegen erscheint selbst der Yellowstone von Alphacool matt. Schade, dass einem dieser Anblick im eingebauten Zustand verwehrt bleibt.

Mithilfe dem passenden Werkzeuges konnten wir den Kühler öffnen und uns sein Herz ansehen. Eines ist von Anfang an klar: Zählen wollen wir die Pins dieses mal nicht. Die 250µm Pin-Struktur zeigt eindrucksvoll wie zierlich und filigran ein Düsenkühler auftreten kann. Fast bekommt man absurde Bedenken die Pins könnten beim Aufprall des Wassers brechen. Bei näherem Hinsehen ist dann auffällig, dass die Abweichung von +/- 0.1mm wörtlich zu nehmen ist. Die Pins sind alle mehr oder minder schräg gefräst, was der Kühlleistung jedoch nicht zum Nachteil gereichen sollte.

Auch der Deckel weist die üblichen Frässpüren auf, ist ansonsten aber tadellos verarbeitet. Der Dichtungsring lässt sich leicht entfernen und auch problemlos wieder in die Vertiefung einlegen. Eingang und Ausgang sind gut zu erkennen. Damit ist dann auch die Fließrichtung des Wassers klar: Es wird mittig auf den Kühlerboden beschleunigt und aus der Ecke wieder abgesaugt. Hierbei werden keine Umwege gegangen, es gibt keine Spielereien, wie man sie beim Double Impact von Aqua Computer bewundern durfte und auch extra Rückflusskanäle sind nicht zu sehen.

Bisher konnte der Proband in allen Disziplinen überzeugen. Selbst die Abweichungen der Pin-Struktur sind bei dieser Feinheit nicht zu bemängeln. Doch ginge es nur nach dem Aussehen, hätten schon viele Kühler ein hervorragendes Fazit erhalten. Schauen wir also, ob der Apogee auch überirdisch gut kühlt, oder auf den Boden der Tatsachen geholt wird.