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Swiftech Apogee XT (Sockel 775/1156/1366) - Review

 

Es gab viele geniale Menschen, die mit ihren Ideen und ihren Taten das Weltbild verändert, oder gar auf den Kopf gestellt haben. Einige nutzten dafür blanken Stahl und kriegerisches Geschick, andere verdienten sich ihren bis heute anhaltenden Ruhm durch ihre Theorien und ihren Fleiß in der Wissenschaft. Zu den Menschen der letzten Kategorie darf man sicherlich auch Claudius Ptolemäus zählen, der zwischen 100 und 175 nach Christus im antiken Griechenland lebte. Sein Lebenswerk umfasst mehrere Bücher, die allesamt von höchster Bedeutung waren und den Menschen ihrer Zeit unter anderem die Mathematik, die Geographie und nicht zuletzt das gesamte Weltbild auf eine neuzeitliche Art und Weise erklärten. Zwar stammt die Idee, dass die Erde der Mittelpunkt der Universums sei, ursprünglich nicht von Claudius Ptolemäus (auch wenn diese Anschauung heute seinen Namen trägt). Sie wurde schlussendlich sogar widerlegt. Doch erst Johannes Kepler schaffte es rund 1500 Jahre später, die Genauigkeit der von Ptolemäus errechneten Kreisbahnen der Planeten zu übertreffen.
Was alle großen Persönlichkeiten gemein haben, das sind der Mut und die Kraft, mit der sie ihre Überzeugungen in die Welt trugen. Das ist auch heute noch ein Schlüssel zum Erfolg.

Die US-Amerikaner, die für ihren Tatendrang sowohl Bewunderung als auch Verachtung ernten, sind besonders geübt in effektvollen Auftritten. Man denke nur an Steve Jobs, der sich mit einer Lasershow wie ein Popstar feiern lässt und den Menschen schon vor der eigentlichen Präsentation das Gehirn so gründlich gewaschen hat, dass ein jeder sofort den Apfel der Sünde pflückt, auch wenn dieser richtig teuer wird.
Zugegeben, der Vergleich zwischen Swiftech und Apple hinkt ein wenig. Wenn man den neuesten Kühler jedoch mit dem Wort "Watercoolkiller" angepriesen bekommt, kann man als Redakteur im Grunde nicht anders, als vor lauter Amüsement mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Swiftech nach dem Apogee GTX und dem Apogee GTZ den Markt auf einmal so sehr aufmischt, dass der Platzhirsch Heatkiller 3.0 zum Wildbraten wird? Wie wahrscheinlich war es seinerzeit, dass das ptolemäische Weltbild für falsch erklärt wird? Und wer hätte gedacht, dass so viele der 48 von Ptolemäus beschriebenen Sternbilder noch heute geläufig sein würden? Das Schöne am Blick in die Nacht ist doch, dass man nie weiß, wann eine Sternschnuppe vom Himmel fällt. Es lohnt sich immer die Augen offen zu halten und dem Unbekannten ganz menschlich zu begegnen: Mit viel Interesse und einem gesunden Misstrauen.
So und nicht anders haben wir auch den Swiftech Apogee XT Extreme Performance empfangen. Ob er in den Olymp erhoben oder den Tartaros verbannt wird, das werden wir mit dieser Review klären.

Lieferumfang & technische Daten

Im sicheren Pappschachtel-"Raumschiff" landete der Apogee XT bei uns, um die Revolution im Kühlermarkt herbeizuführen. Und welche schlagkräftigen Argumente hat er uns mitgebracht, von den Fernen des Apogäums? Natürlich sich selbst mit dem nötigsten an Montagematerial. Außerdem an Board sind eine Bedienungsanleitung in Schwarz-Weiß, eine kleine Spritze mit Silikon-Wärmeleitpaste, zwei passende Schlauchtüllen (G1/4", 11-13mm), zwei dazugehörige Schlauchklemmen, und sogar eine Backplate für den Sockel 1366. Jetzt verstehen wir auch, warum Swiftech keinen Sternenstaub beigelegt hat: Das Leuchten selbiger dichten sie dem Kunden mit diesem Anblick direkt in die Augen.
Der fehlende Inbusschlüssel holt uns dann doch zurück auf den Boden der Tatsachen. Insbesondere, wenn wir uns an den HF 14 Yellowstone "Spirit" von Alphacool erinnern, dessen Lieferumfang aus ganz anderen Dimensionen kommt. Auch den verwendeten Torx-Schrauben, die den Kühler zusammenhalten, ist kein passendes Werkzeug beigelegt.  Nichtsdestotrotz, dem Käufer wird deutlich mehr als nur das Nötigste an die Hand gegeben, um den Apogee XT in Betrieb zu nehmen. An die Hand genommen, wird der Käufer mit den beiden beiliegenden Zetteln.

Wer erwartet, dass die Bedienungsanleitung in einer den Menschen fremden Sprache verfasst wurde und sich mit überirdischen Themen befasst, die keinen Nutzen bergen, der darf sich entspannen. Wie wir schon in der Review zum Swiftech GTZ feststellen durften, sind Bedienungsanleitungen von Swiftech zwar tatsächlich nicht von dieser Welt, aber ganz und gar im positiven Sinne. Bis ins Detail wird anhand von verständlichen Instruktionen und Bildern alles erklärt, was Laie und Profi wissen müssen und wollen. Und das sogar auf drei Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch).

Der zweite Zettel hält eine ungewöhnliche Überraschung bereit. Da Swiftech zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Apogee XT noch keine Daten zu Intels Sockel 1156 hatte, konnten sie folglich auch keine Halterung konstruieren. Um dem Kunden dennoch eine Kompatibilität zu gewährleisten, bietet der Hersteller die kostenfreie Nachsendung einer passenden Blende an. Das gleiche gilt für den Besitzer eines Sockel 775 Boards. Hätte diese auf zwei Sprachen verfasste Kundgebung ein Siegel, man würde sich als Empfänger wahrlich königlich fühlen.

Die technischen Daten zeigen eindeutig, dass der Swiftech Apogee XT den Anspruch auf den Thron ernst nimmt. Natürlich kühlt er CPUs auf allen gängigen Sockeln, und auch die verwendeten Materialen Kupfer und Messing geben wenig Anlass zur Verwunderung. Dafür wartet das 428g Schwergewicht nicht nur mit einer auf Intels i5 und i7 abgestimmten Bodenplatte, sondern einer weiteren Besonderheit auf, die so bisher einzigartig ist. Doch darüber mehr im nächsten Abschnitt. Weitere Kennzahlen sind die 250 µm (0.009") Pin-Struktur (mit +/- 0.1mm Abweichungen) des auch polierten Kühlerbodens und die standardmäßigen G1/4" Gewinde.

Polierter Kühlerboden? 250µm? Kann das reichen, um am Thron des Watercool zu rütteln? Schauen wir uns den wehrten Kühler doch erst einmal genauer an, bevor wir vorschnell über ihn urteilen.