Cape Cora Pro 1042,442,142 - Test

Messergebnisse & Fazit

Im folgenden Diagramm sind die Temperaturdifferenzen, die bei den einzelnen Durchläufen gemessen wurden, grafisch veranschaulicht. Ein Radiatoraufbau mit geringerer Differenz kann die Wärme besser an die Raumtemperatur abgeben und ist daher leistungsstärker.



Angela Merkel sagte man einige Zeit nach ihrem Regierungsantritt nach, sie mache ihre Arbeit "besser als erwartet". Das ist ein ziemlich leeres Statement, könnte so aber auch auf unseren Probanden zutreffen.

Verglichen mit dem passiv betriebenen Triple-Radiator behält der Cape Cora Pro in allen Konstellationen die Oberhand. Näher betrachtet sieht es so aus, dass vier Module haarscharf an der Überhitzung vorbeischrammen. Der Triple-Radiator schafft diese Hürde (erwartungsgemäß) nicht und erzielt im passiven Betrieb die schlechtesten Ergebnisse. Nach exakt 20 Minuten „Erwärmungsphase“ musste der Test aufgrund zu hoher Temperaturen abgebrochen werden, um Beschädigungen am Testsystem zu vermeiden. Kurz vor dem Abbruch errechneten wir einen Wert von 24,3 K (Differenz von Wasser- und Raumtemperatur). Die vier Cape Cora-Einheiten sind von diesem Spitzenwert nur 1 Grad entfernt. Beide Lösungen sind also für den passiven Betrieb eines Computers der Klasse unseres Testsystems ungeeignet.

Auffällig ist auf einen zweiten Blick, dass der Reihenbetrieb, verglichen mit dem Parallelbetrieb, durchgängig die besseren Ergebnisse erzielt. Auch wenn diese marginal ausfallen, sind sie konsequenterweise kein Zufall. Zusammen mit dem Vorschlag, die Plastikzwischenscheibe bei der Montage wegzulassen, um einen wärmeleitfähigen Kontakt zur Gehäusewand zu erreichen, können sich solche Verbesserungen aufsummieren.

Wie sieht es mit sechs Profilen aus? Die Differenztemperatur sinkt um knappe vier Kelvin, wodurch wir den gefährlichen Bereich verlassen und ein Passivbetrieb möglich wird. Ob das allerdings auch für den Hochsommer gilt, darf bezweifelt werden. Wir können also auch diese Variante nur empfehlen, wenn leistungsschwächere Komponenten als die unseres Testsystems gekühlt werden müssen, oder aber die normale Raumtemperatur nicht merklich überschritten wird.

Die zehn Profile machen einen gesünderen Eindruck. Mit ihnen fällt die Differenz um weitere fünf Kelvin niedriger aus. Doch nach wie vor ist man rund 10 °C von der Leistung eines mit 800 U/min belüfteten Triple-Radiators entfernt. Und immerhin 5 °C verlieren die zehn Cape Cora Pro auf einen nur spärlich mit 400 U/min behauchten Triple-Radiator. Diese Sachverhalte sind passiver Kühlung eben eigen und die meisten Nutzer sind sich diesem immer deutlichen Leistungsverlust sehr wohl bewusst.

Leider ist es in Verbindung mit 8/6 mm-Schlauch nicht möglich gewesen, Ergebnisse für den Durchfluss zu ermitteln. Dieser war so gering, dass er vom Sensor nicht registriert wurde. Um einen möglichen technischen Defekt auszuschließen, verwendeten wir zwei verschiedene Aquaero von Aquacomputer und folgende vier Durchflusssensoren:

  • 2 x Durchflusssensor GMR Acetal
  • Durchflusssensor Digmesa FHKUC 70
  • Durchflusssensor G1/4 (5,6mm)

An dieser Stelle möchten wir Aquatuning für die Unterstützung und Bereitstellung der Sensoren recht herzlich danken.


Fazit

Kommen wir zu einer unserer Einstiegsfragen zurück: Lohnt es sich, vier, sechs, zehn oder mehr Profile zu kombinieren und sie als Radiator zu gebrauchen? Es gibt sowohl Argumente dafür als auch dagegen, was die Beantwortung der Frage nicht gerade erleichtert.

Unstrittig ist die Frage der Optik: Diese ist als äußerst positiv zu werten, der Platzbedarf an einer Seitewand sollte jedoch bei der Planung berücksichtig werden. Eindeutig ist auch, dass scharfe Kanten zu Schnittverletzungen führen und daher eher Fluch als Segen sind. Hobbyköche dürfte das nicht stören, alle anderen Käufer sollten bei der Montage vorsichtig vorgehen.

Der entscheidene Punkt ist jedoch die Leistung: Selbst zehn Profile können das Cora-Setup nicht in die Leistungsregionen eines Triple-Radiators verhelfen. Weiterhin ist die Leistung von vier und sechs Modulen für ein System wie unseres schlicht und ergreifend nicht ausreichend. Möchte man nur den Prozessor oder nur die Grafikkarte kühlen, sollte das Vorhaben von Erfolg gekrönt sein. Bei zehn Modulen wendet sich das Blatt: Hier kann man ruhigen Gewissens darauf vertrauen, dass die Komponenten im Computer einen kühlen Kopf bewahren wenn sie in etwa der Leistung unseres Testsystems entsprechen.

Der Durchfluss wird trotz fehlender Ergebnisse nicht unter den Teppich gekehrt. In Verbindung mit 8/6 mm-Schlauch ist er sehr gering und lässt Potential der Kühler ungenutzt. Hier hilft nur der Kauf einer stärkeren Pumpe und der Einsatz von größeren Anschlüssen mit größerem Schlauch, um das Problem zu relativieren.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Cape Cora Pro-Radiatorprofile für Übertakter generell uninteressant sind. Diejenigen, die den Schwerpunkt jedoch nicht auf das Übertakten, sondern auf geringe Lautstärke legen, können bei gut gefülltem Geldbeutel zugreifen und die optisch ansprechenden Cape Cora Pro-Radiatorprofile an der Gehäuseseitenwand befestigen. Der Spaß kostet bei Aquatuning zwischen  69,90 Euro und  149,90 Euro.

Angesichts dieser Preise ist die Frage nach dem Sinn einer solchen Anschaffung durchaus legitim. Es ist wohlbekannt, dass ein guter 120 mm-Lüfter bei 400 U/min meist leiser ist als die Wasserpumpe. Auch das Netzteil ist meistens noch mit einem 120 mm-Lüfter bestückt, ganz abgesehen von der guten alten Festplatte, die schon so manchem Silent-Fetischisten graue Haare beschert hat. Wem nutzt dieser Radiator also? Im Grunde nur denen, die keine Kompromisse eingehen und sämtlichen potenziellen Lärmquellen, bis auf die perfekt entkoppelte und gedämmte Wasserpumpe, nach dem Leben trachten. Alle anderen wären mit einer Investition in bewährte aber aktiv belüftete Lösungen besser beraten, welche dann zusätzlich mehr Leistung bieten.


Abschließend geht der Dank an Aquatuning für die schnelle und freundliche Bereitstellung unserer Testmuster. Vielen Dank!


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