Alphacool HF14 Yellowstone (Sockel 775,1366,1160,AM2,AM3) - Review

Erscheinungsbild & Funktionsweise

Was ist der Unterschied zwischen einem Chamäleon und dem Alphacool HF 14 Yellowstone "Spirit"? Ganz einfach: Ein Chamäleon passt sich farblich an seine Umgebung an, damit man es nicht sieht und es somit vor seinen Feinden geschützt ist – bzw. seine Opfer keinen Verdacht schöpfen, dass sie gleich gefressen werden. Der Yellowstone-Kühler aber passt sich farblich den Wünschen des Käufers an, damit er auffallen kann. Wem das Superwahljahr noch nicht gereicht hat oder nicht das bekommen hat, was er wollte, kann zwischen 18 Farbkombinationen wählen: Sie basieren auf den fünf Farben Rot, Weiß, Silber, Schwarz und Gelb. So sind Montageblende in Rot, Silber und Schwarz, der Kühler in Weiß, Silber, Schwarz und Gelb, und die vier Inbusschrauben am Kühler in Silber und Schwarz erhältlich.

Unser Proband ist mit schwarzer Blende, silbernem Deckel und schwarzen Schrauben eine der klassischeren Farbvarianten. Das tut seinem Auftritt aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Wer sich an bewährten Farben orientiert, riskiert nämlich übersehen zu werden und hat es somit schwer, sich durchzusetzen. Wer es aber schafft, setzt vielleicht sogar Maßstäbe und definiert den Begriff der klassischen Schönheit neu.
Alphacool schafft den Spagat und liefert mit dem Yellowstone Spirit einen wunderschönen Kühler ab, der vor allem durch seine Verarbeitung nahe der Perfektion gefällt. Komplett aus Metall gearbeitet, weist der mattsilberne Deckel jegliche gekünstelte Kritik weit von sich und stellt klar, dass Alphacool nicht nur schöne Werbetexte schreiben, sondern auch ansehnliche Kühler fräsen kann. Wer genauer hinsieht, erkennt als Grundsymbol ein Kreuz, in dessen vier freien Ecken Schrauben für den nötigen Zusammenhalt sorgen. Wer noch genauer hinsieht, erkennt auch die eindeutige Kennzeichnung der zwei G1/4" Gewinde für Ein- und Ausgang. Auch das Herstellersymbol ist mit von der Partie und erinnert ein wenig an das mathematische Zeichen für Unendlichkeit. Selten hat ein Kühler so viel Freiraum zur Interpretation geboten. Und es geht noch weiter, denn wer ganz genau hinsieht, der wird zwei weiße Kreise auf einem der Arme der Montageblende finden. Das ist der "Spirit" am Yellowstone, das Zeichen amerikanischer Ureinwohner für Geist – wenn man Alphacool Glauben schenken darf. Eigene Recherchen konnten das teilweise belegen. So handelt es sich bei dem Symbol um eine in vielerlei Kulturen auftretende Malerei, die unter anderem auch "Wind", "Spirit", "Sonne" oder gar "Männlichkeit" bzw. die "Vereinigung von Mann und Frau" bedeutet. Auf alle Fälle fundamentale Dinge, ohne die ein Leben unvorstellbar wäre...

Unvorstellbar ist auch, dass die EffizienzGurus einen Kühler nur oberflächlich anschauen. Schrauben raus, Kühler auf!

Die vier Schrauben sind mit dem beigelegten Inbusschlüssel bequem zu lösen und der Kühler lässt sich in seine drei Teile zerlegen.
Normalerweise würden wir jetzt den Deckel des Yellowstone beschreiben, aber den legen wir, zusammen mit der Blende, erst einmal verdutzt auf die Seite. Wer seinen PC schon längere Zeit mit Wasser kühlt, der wird sich nämlich – genau wie wir – um ein paar Jahre in die Vergangenheit versetzt fühlen. Es ist ein nostalgischer, aber doch unglaubwürdiger Anblick, den uns der Kühlerboden bietet. Wenn wir den Deckel nicht daneben liegen hätten und er nicht passen würde, so könnte man vermuten, einen guten alten Nexxos vor sich zu haben.
Hat man sich von dem Déjà-vu erholt, beschert einem die lupenreine Verarbeitung gleich die nächste bewundernde Schweigephase. Auch der Dichtungsring lässt sich angenehm entnehmen und reinigen. Doch dann kommen erste Zweifel an der Leistung des Probanden auf: Die Pins lassen sich problemlos zählen, was bei keinem unserer letzten Kandidaten ohne Weiteres möglich war. Lediglich 168 rechteckige Stecken sollen also für die Kühlleistung auf derzeit höchstmöglichem Niveau verantwortlich zeichnen?

Nach dem Umdrehen des Bodens fällt die Kinnlade dann erneut aus ihrer Verankerung und wir erinnern uns an unsere entfernt Verwandten aus Amerika: Wow, Hochglanz!

Die Kiefer wieder beisammen, suchen wir nach unsichtbaren Fakten, die den Kühlerboden so besonders machen. Wenige Klicks auf der Herstellerseite später wird man fündig: Eine optimierte Kontaktfläche direkt über dem CPU Kern sollen dafür Sorge tragen, dass eventuelle Erhöhungen zum Heatspreaderrand hin ausgeglichen werden. Zudem spricht Alphacool von einer optimierten Restbodenstärke, die allerdings nicht näher beziffert ist. Die extra starken Federn sollen in Verbindung mit der beigelegten Backplate weitere Leistung bringen. Das kann man erst mal so stehen lassen.

Nun aber zurück zum Deckel. Aus Messing gefräst, glasgeperlt und mit Klarlack oder einer Vernickelung dauerhaft gegen Fingerabdrücke gerüstet, lässt er rein technisch keine Wünsche offen. Wer ihn auf den Rücken dreht, wird sich vielleicht an das HF aus dem Titel erinnern und endgültig seine Zweifel bekommen, wie weit her es mit der Leistung dieses angeblichen Naturwunders sein kann. Hat Alphacool seinen Verstand über die esoterische Ausrichtung des Yellowstone "Spirit" verloren, oder wieso paart man die engen HH-ähnlichen Strukturen mit dem Versprechen von hohem Durchfluss?

Uns nach Fakten sehnend, nehmen wir uns die schwarze Montageblende zur Hand. Äußerst stabil, mit länglichen Löchern, um eventuell fehlende Millimeter ausgleichen zu können. Das ist wenigstens ein handfestes Argument.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, ohne sich gleich die Ergebnisse anzuschauen, der sollte genügend Fragen gesammelt haben, die es zu beantworten gilt. Schauen wir also, ob nicht nur die Versprechen, sondern auch die Leistung des Yellowstone "Spirit" großartig sind. Oder, in Ahnlehnung an das Attribut "Spirit", ob sich der Yellowstone mit fremden Federn schmückt.