Alphacool HF14 Yellowstone (Sockel 775,1366,1160,AM2,AM3) - Review

 

Wenn es um Werbung geht, ist sich keine Marketingabteilung zu schade, tief in die Kiste der abgedroschenen Superlative zu greifen. Da wird Apfelsaft schon mal zum "fruchtigsten seiner Klasse". Das ist aber noch nichts gegen das kleine und unschuldige Wörtchen "optimal". Das wird schmerzlich häufig neu definiert und gänzlich ohne stilistische Scham und kulturelles Feingefühl als "optimalst" über die Ladentheken misshandelt.
Dagegen kommt einem der Name unseres Probanden fast schon poetisch vor. Aber auch der Alphacool HF 14 Yellowstone "Spirit" hat es diesbezüglich faustdick hinter den Ohren. Nach dem Apogäum von Swiftech nutzt nun ein weiterer Hersteller die Faszination der Natur, um seinem Wasserkühler zumindest auf dem Blatt eine exponierte Stellung zu garantieren. Wem Yellowstone kein Begriff ist, der sollte wissen, dass sich dahinter ein Nationalpark im Nordwesten der USA verbirgt. Das Besondere an diesem Nationalpark ist nicht nur, dass er der älteste der Welt ist, er beherbergt auch einen Supervulkan, der ca. 25% des Parks für sich beansprucht. Mit einer Magmakammer von 60 x 40 x 10 Km, würde ein Ausbruch nach Expertenszenarien nicht nur weite Teile der anliegenden Staaten mit Lava, sondern je nach Windrichtung auch viele weitere Staaten der USA und Canada mit Asche bedecken. Abgesehen davon wäre eine Verdunklung der gesamten Erde für zumindest ein paar Jahre gesichert, sodass eine globale Eiszeit bevorstünde. Der Konjunktiv des letzten Satzes ist übrigens fehl am Platz, denn ein Ausbruch des Vulkans ist längst überfällig und könnte somit täglich Wirklichkeit werden.
Als würde Yellowstone alleine als Produktname vor diesem Hintergrund nicht ausreichend sein, verlängert das allseits beliebte Prädikat HF (High Flow) den Namen zusätzlich. Diese wiederum wird von der kryptischen Zahl 14 begleitet. Um dem ganzen den Stempel des Mystischen aufzudrücken, hat man sich schlussendlich zu dem Appendix "Spirit" hinreißen lassen. Sogesehen betrachtet hätte man anstelle der Zahl 14 auch durchaus die 2012 wählen können, um somit auf das der Maya prophezeite Ragnarök anzuspielen.

Wer mit solch erhabenen Titeln in unsere Teststube stolziert, der wird zunächst einmal kritisch gemustert. Wir alle ziehen gerne voreilige und dadurch manchmal auch falsche Rückschlüsse auf Leute Charakter, die wir noch nicht gut kennen. Um dem vorzubeugen, sollte man die ersten paar Sätze des Gespräches erst einmal ganz unvoreigenommen abwarten. Und was da kommt, zeugt von einem gestandenen Selbstbewusstsein:

"Der Nachfolger des Yellowstone mit verbesserter Performance bietet Ihnen Kühlleistung auf dem derzeit höchstmöglichen Niveau. Kompromisslos optimiert, bietet er maximale Kühlleistung durch[...]" und weiter "Durch die Verwendung der Backplate und der starken Feder mit 60 Prozent mehr Federspannung erhalten Sie maximalen Anpressdruck zur weiteren Leistungssteigerung - und mehr Sicherheit für Ihr Mainboard."
Und sogar genaue Angaben zum Durchfluss macht Alphacool. Von maximal 4,9 l/min oder umgerechnet 294 l/h geht man aus, was einen beachtlichen Wert darstellt, so er erreicht wird.

Schluss mit lustig! Wir wollen wissen, was hinter der farbigen Fassade steckt und was der neue Geist des Yellowstone HF 14 (oder wie auch immer) auf dem Kasten hat. Bei uns werden Ehr und Anerkennung nämlich nicht für Namen und schöne Herstellerbeschreibungen verliehen, sondern für gute Leistung. Basta!



Lieferumfang & technische Daten

Ungewohnt freizügig und mit viel Stolz präsentiert sich der Alphacool HF 14 Yellowstone "Spirit" schon aus der Verpackung heraus. Hatte sich die Redaktion der Wasserkühlung fast schon daran gewöhnt, in jeder neuen Review eine Pointe zu der so häufig gesehenen Pappschachtel aus dem Hut zu zaubern, hilft uns diese Erfahrung jetzt herzlich wenig. Die blisterähnliche, aber wiederverschließbare, durchsichtige Plastikbehausung ersetzt die Vorfreude auf das Auspacken durch nackte Tatsachen. Oder anders gesagt: You see what you get (got).
Das ist zunächst einmal ansprechend und für den Wasserkühlungsmarkt eher ungewöhnlich. Ist es denn sinnvoll? Ausreichender Schutz ist seitlich gewährleistet, frontal sieht das anders aus. Wo eine Pappschachtel eine Knautschzone bietet, sitzt das Produkt bei dieser Art Verpackung direkt hinter einer dünnen Plastikschicht. Umweltfreundlicher wäre Pappe ebenfalls. Zwingend notwendig ist mehr Schutz, als er hier gewährleistet wird, aber auch nicht. Diese Art der Verpackung darf also allgemeinhin als Alternative angesehen werden.

Alternativ ist auch der Lieferumfang. Hierzu eine kleine Analogie:

Als Barack Hussein Obama die Nachricht erhielt, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden, antwortete das Weiße Haus nur mit "Wow!". Darauf folgte demütiges und andächtiges Schweigen, dem wiederum Taten. Wir kopieren ungern anderer Leute Verhalten, aber dieses mal erlauben wir uns eine Ausnahme: Wow!


Der Lieferumfang des Alphacool Alphacool HF 14 Yellowstone "Spirit" ist wahrlich einige Schweigesekunden wert. Man sollte die Augen dabei aber nicht schließen, sondern ganz in Ruhe auf sich wirken lassen, was andere Hersteller nicht vollbringen. Auch Anfassen ist erlaubt, damit einem schnell bewusst wird, dass es sich um keinen Traum handelt.
Dem Käufer wird mit diesem Kühler so ziemlich alles gegeben, was er zur Montage braucht. Mehr noch, der Kunde hat sogar die Wahl, wie er seinen Kühler montiert. So liegen dem Kandidaten acht Schrauben, acht Federn, vier Sechskantmuttern aus Plastik, vier Rändelmuttern, vier Distanzringe, ein Dutzend Unterlegscheiben aus Plastik, eine Tube silberoxidhaltige Wärmeleitpaste, ein Inbusschlüssel, eine Montageanleitung, ein Abstandsgummi, und eine Backplate bei. Eine Backplate? Richtig, denn was bei anderen Herstellern wie Watercool oder Aqua Computer nur als kostspieliges Zubehör erhältlich ist, nutzt Alphacool frech zur Differenzierung aus.
Angesichts der Masse an Schrauben, Muttern, Federn und Ringen war es eine kluge Entscheidung, die Montageanleitung beizulegen. Diese ist zur Freude des Käufers auch gut gelungen. Zwar in schwarz-weiß gedruckt, aber hilfreich bebildert und mit allgemeinen Hinweisen zum Thema Wasserkühlung versehen, nimmt sie auch Anfänger an die Hand. Zum Thema Anpressdruck lässt man sich allerdings nicht so detailliert aus wie Watercool. Und auch die Backplate fehlt in der Beschreibung. Somit ergeben sich dann beim zweiten Hinsehen doch etliche Fragen, die unbeantwortet bleiben: Muss das mitgelieferte Abstandsgummi bei jedem Sockel verwendet werden oder betrifft das nur den Sockel 775, bei welchem SMDs unterhalb der CPU sitzen? Oder muss es gar beim Sockel 1366 verwendet werden, der eigentlich alle Bauteile mit einer Metallplatte bereits geschützt hat? Zwischen Backplate und Mainboard ergibt sich an den vorgesehenen Schraubenlöchern ein Abstand, der anscheinend nicht mit Distanzhaltern ausgeglichen wird. das könnte bei zu starkem Anziehen der Schrauben mittels der mitgelieferten Kunststoffmuttern zum Verziehen des Mainboards führen. Andere Hersteller lösten dies durch ein völliges Umgehen der CPU-Sockelplatte oder durch Abstandshalter, die exakt die Höhe dieser Platte entsprechen.

Diese Fragen zeigen, wie schnell nicht nur der unbedarfte Anfänger, sondern auch manch Profi im Regen stehen kann. Wir empfehlen Alphacool, die Anleitung zu überarbeiten und die Fragen zu klären. Auch sinnvoll erscheint uns, die Anleitung als PDF-Datei online verfügbar zu machen.

Noch flugs ein paar Worte zu den technischen Daten, bevor wir uns den Probanden näher anschauen. Der Kühler ist für alle gängigen Sockel erhältlich, 260 Gramm schwer, komplett aus Metall gefertigt und auf Intels Nehalem-Prozessoren optimiert. Insbesondere der letzte Punkt wird im Verlaufe der Review noch näher beleuchtet werden. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Also Augen auf, jetzt wird begutachtet!