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Erscheinungsbild & Funktionsweise


Während der Großteil der Hersteller mittlerweile dem aktuellen Trend folgt und seine Netzteile in Schwarz taucht, setzt Lian Li auf eine eher außergewöhnliche Pulverbeschichtung: Je nach Lichteinfall wird das Auge durch die anthrazitfarbene Außenhaut optisch getäuscht. Das Ergebnis ist ein flippiger 3D-Effekt. Lenkt man den Blick auf das Wesentliche, fällt eine Ähnlichkeit zu Netzteilen eines anderen großen Herstellers auf. Anscheinend setzt Lian Li hier auf die gleiche Manufaktur. Nicht verwunderlich, so wurden in der Vergangenheit auch noch keine Erfahrungen in der Produktion von Netzteilen gesammelt. Dass dies kein Nachteil sein muss, bekommt der Käufer direkt vermittelt. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, an keiner Stelle sind scharfe Kanten zu finden. Die Anschlüsse für die modularen Kabel sind im Gehäuse eingelassen und bilden so eine plane Fläche. Ansonsten prägen die gewohnten Bauweisen das Bild: Wabengitter am Heck, Sticker mit technischen Daten an der Seitenwand. Ein zusätzliches Typenschild rundet das ansprechende Gesamtbild ab.


Dank des modularen Kabelmanagements werden aus dem Gehäuse nur insgesamt drei Stränge für die Mainboard- und CPU-Spannungsversorgung geführt, die übrige Konfiguration ist frei wählbar. Lian Li spendiert dem Silent Force insgesamt vier PCIe-Anschlüsse, somit sind moderne Multi-GPU-Systeme realisierbar. Weiterhin stehen Konnektoren für insgesamt sechs SATA-Laufwerke und zwei Floppy zur Verfügung. Mit weiteren sechs 4pin-Molex-Anschlüssen ist das Netzteil gut für andere Peripherie gerüstet.
Alle Kabel sind gesleevt, allerdings sei am Rande erwähnt, dass der Kabelschlauch an einigen Stellen etwas kurz geraten ist – ein kleiner Fauxpas der sonst so auf Genauigkeit wertlegenden Taiwanesen. Hier sollte die Qualitätskontrolle bei einem Netzteil dieser Preisklasse ein wachsameres Auge haben. Unterm Strich darf man diese Kritik jedoch als Jammern auf hohem Niveau abtun. Erfreulich ist hingegen die Flexibilität der einzelnen Stränge. Gerade die angesprochene Käuferschaft erwägt möglicherweise eine saubere Verlegung im Gehäuse, mit diesen Kabeln kann ein solches Vorhaben problemlos in die Tat umgesetzt werden. Grenzen werden unter Umständen den Eigentümern von größeren Gehäusen bedingt durch die Länge der einzelnen Stränge gesetzt. Der Hintergrund ist allseits bekannt: Lange Kabel sorgen für größere Schwankungen bei den Spannungen sowie eine höhere Verlustleistung, Unterbrechungen in Form von modularen Anschlussmöglichkeiten erhöhen diesen Faktor. Hier muss der Hersteller Prioritäten setzen. Im Falle des Silent Force 850 Watt hat man zu Gunsten der Effizienz entschieden. Laut dem Protokoll von  80Plus.org erreicht man, wenn auch knapp, die Bronzezertifizierung. Gerade in den aktuellen Zeiten, in denen Netzteile der Konkurrenz bereits mit Zertifikaten in Silber und teilweise Gold aufwarten, will man sich keine Blöße geben.

Nachfolgend die Längen der Kabel:

  • ATX-Mainboard: 50 cm
  • 4+4pin 12 V EPS: 50 cm
  • 8pin 12 V EPS: 50 cm
  • 6pin PCIe: 50 cm
  • 4pin-Molex: 50 cm (erster Abgriff), 65 cm (zweiter Abgriff), 80 cm (dritter Abgriff), 95 cm (Floppy)
  • SATA: 50 cm (erster Abgriff), 65 cm (zweiter Abgriff), 80 cm (dritter Abgriff)


In Erwartung großer Laufruhe ist natürlich der Blick auf den verbauten Lüfter absolute Pflicht für uns. Lian Li greift auf ein Modell von  Globe Fan zurück. Keywords sind: 135 mm Durchmesser, Gleitlager, maximale Drehzahl von 1.500 U/min, Anlaufspannung von 6 Volt – gute Voraussetzungen für einen geräuscharmen Betrieb sind also gegeben. Verwunderlich ist, dass auf der Verpackung wie auch auf der Produktseite an mehreren Stellen ein kugelgelagerter Lüfter erwähnt wird. Auf den seitens des Herstellers verwiesenen optionalen Einsatz von LEDs wird verzichtet.

 


Weitere Faktoren für einen leisen Betrieb sind neben einem strukturierten und durchdachten Aufbau der Einsatz ausreichend dimensionierter Kühlkörper. Im Falle des Silent Force 850 Watt wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Für die optimale Wärmeabgabe wurden die Kühlkörper in Form eines L gegossen, eine größtmögliche Fläche für die in das Netzteil beförderte Luft ist gegeben. Weiterhin verfügt das PS-S850GE über eine „Fan Delay-Off“-Funktion. Diese sorgt auch nach langem Betrieb unter Volllast und anschließendem Herunterfahren des PCs für fortwährende Kühlung von bis zu 120 Sekunden, wodurch die Bauteile nicht unnötig größerer Hitze über einen längeren Zeitraum ausgesetzt werden.
Durch das Einlassen der Anschlüsse in Netzteilinnere wirkt der Aufbau, ebenso bedingt durch eine Vielzahl von Bauteilen, etwas gedrängt, dennoch gegliedert. Zum Einsatz kommen hochwertige Kondensatoren Made in Japan in der 85 °C-Variante. Als weiterer Beitrag zum geräuscharmen Betrieb wird ein Teil der Spulen mit Gummi ummantelt, um ein Pfeifen des Netzteils zu verhindern. Der hohe qualitative Anspruch setzt sich auch an anderen Stellen fort. Alle Bauteile und Kabel sind sauber verlötet, an den Kabelenden kommen Schrumpfschläuche zum Einsatz, Netzteilsicherheit wird groß geschrieben. Auf verstärkten Einsatz von Silikon zur Fixierung von Bauteilen wurde verzichtet. Zu guter Letzt sind die einzelnen Kabel nach Zusammenführung zum Hauptstrang innerhalb wie außerhalb des Netzteilgehäuses durch Kabelbinder gesichert. Insgesamt eine runde Sache – eine Bestätigung des hohen qualitativen Anspruchs an sich selbst.