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Erscheinungsbild & Funktionsweise


Keines der bisher getesteten Netzteile konnte mit so vielen Eigenheiten aufwarten, wie das  Fusion 550R. Man kann es drehen und wenden und entdeckt immer wieder Neues. Doch der Reihe nach. Bereits in der Verpackung war das Erkennungsmerkmal Nummer Eins zu sehen: Der Lüfter. Während das Gros der Hersteller einen Lüfter im Deckel mit 120 mm oder 140 mm Ausmaß verbaut, ist beim hier getesteten Probanden ein 80 mm-Modell an der Außenwand neben des Kabelsträngen platziert. Doppelt entkoppelt hängt dieser ohne jegliche starre Verbindung frei in der Luft – die Voraussetzung für einen geräuscharmen Betrieb.

Das Heck sieht auf den ersten Blick aus, als wäre es in Mitleidenschaft gezogen worden. Verschieden stark nach außen gebeult, soll der Luftstrom optimiert werden. Unterstützend kommen quadratische Luftaustrittsöffnungen mit einer Größe von 4x4 mm zum Tragen. Die vier Seitenwände bleiben von weiteren Öffnungen verschont, die Basis für den perfekten Luftstrom ist somit gelegt. Wo normalerweise der Lüfter im Deckel verbaut ist, platziert Arctic Cooling einen, wohlgemerkt etwas unsauber ausgeschnittenen, Sticker mit den technischen Daten. Auf der gegenüberliegenden Seite prangt unübersehbar der Schriftzug „Eco 80“. Nicht zu verwechseln mit einer 80Plus-Zertifizierung, auch wenn dieses Gütesiegel aus dem eigenen Haus auf den gleichen Spezifikationen basiert. Hintergrund hierfür ist der fehlende Eingangsspannungsbereich von 110 Volt, somit ist ein Test im Labor von 80Plus.org nicht möglich. Die Seitenwände präsentieren sich mit einer leichten Prägung, Sticker werten das Gehäuse weiter auf.


Insgesamt vermittelt das Gehäuse auf dem ersten Blick einen soliden Eindruck. Alle Teile sind passgenau, scharfe Kanten sind keine zu finden. Zum Schutze während des Transports ist die empfindliche schwarze Lackierung mit Folien abgeklebt. Äußerst vorsichtig sollte demnach auch der Einbau des Netzteils von statten gehen, legt der Eigentümer Wert auf ein unversehrtes Äußeres. Optimalerweise zieht man die Folien erst nach der Installation im Case ab.


Zurück zu den Eigenheiten: Beim Fusion 550R werden die Kabel in zwei Strängen aus dem Gehäuse geleitet. Dies scheint hier erforderlich, da die Position des Lüfters einen größeren Ausschnitt nicht zulässt. Auf einen Kantenschutz aus Kunststoff wird verzichtet, dieser ist im Prinzip auch nicht erforderlich, da die Kabel kaum Spiel haben. Das Anschlusskabel des Lüfters wird über den Ausschnitt in das Gehäuse geführt. Ein wenig Obacht sollte man bei der Installation geben, birgt die Schlaufe doch die Gefahr des Hängenbleibens und somit des Ausreißens. Neben den Strängen für die Peripherie kommt noch ein kleines Kabel zum Vorschein. Hier lassen sich zwei Lüfter anschließen und so über die Lüftersteuerung des Netzteils in Abhängigkeit zur Temperatur im Gehäuseinneren automatisch regeln.


Mit leichter Verwunderung haben wir die Kabelkonfiguration in Augenschein genommen. Extraordinär ist vielleicht der richtige Ausdruck dafür. Der erste Strang umfasst eine 4pin CPU-Spannungsversorgung sowie vier PCIe-Anschlüsse. Der zweite Strang besteht aus lediglich drei Kabeln: Die ATX-Mainboard-Spannungsversorgung sowie jeweils ein Kabel mit Anschlüssen für SATA-Laufwerke und Peripherie. Vier PCIe-Konnektoren lassen den Betrieb aktuellster High-End-Grafikkarten im Multi-GPU-Betrieb zu – bei 500 Watt Dauerlast sehr grenzwertig, hat bereits eine nVidia GTX 295 eine maximale theoretische Leistungsaufnahme von 289 Watt. In der Praxis wird dieser Wert zwar nicht erreicht, jedoch sollte die restliche Hardware und Peripherie nicht vergessen werden. Mit Verwendung einer leistungshungrigen CPU des Kalibers Core i7 oder Phenom II und diverser Laufwerke kann schnell ein grenznaher Wert erreicht werden. Der Test im späteren Teil der Review wird zeigen, ob das Netzteil dieser Belastung standhalten kann.

Verzichtet hat man währenddessen auf eine 8pin-CPU-Spannungsversorgung. Gemäß den ATX-Spezifikationen ist dieses nicht gefordert, der unerfahrene Käufer wird womöglich irritiert sein, sollte sein Mainboard über einen solchen Anschluss verfügen. Ein Fehlanschließen ist zwar aufgrund der Pin-Gestaltung ausgeschlossen, ein ungutes Gefühl kann trotzdem zurück bleiben, der Marketingmaschinerie sei Dank.

Ein letzter Hinweis sei noch gegeben: Aufgrund der Kabellänge und des Abstandes der einzelnen SATA-Anschlüsse sollte die Position der Laufwerke im Gehäuse gut durchdacht sein. Gerade bei Verwendung mehrere optischer Laufwerke und Festplatten mit SATA-Interface kann einem das Kabel in großen Gehäusen regelrecht ausgehen. Dies betrifft auch den Strang mit den Molex-Anschlüssen – schlichtweg zu kurz ist dieser geraten.


Nachfolgend die Längen der Kabel:

  • ATX-Mainboard: 40 cm
  • 4pin 12 V: 40 cm
  • 6/6+2pin PCIe: 50 cm (2x) und 55 cm (2x)
  • 4pin-Molex: 30 cm (erster Abgriff), 45 cm (zweiter Abgriff), 60 cm (dritter Abgriff), 75 cm (Floppy)
  • SATA: 35 cm (erster Abgriff), 43 cm (zweiter Abgriff), 51 cm (dritter Abgriff), 60 cm (vierter Abgriff), 75 cm (fünfter Abgriff), 90 cm (sechster Abgriff)


Äußerlich ein wahres Unikum – werfen wir einen Blick auf das Innenleben. Auch hier lässt Arctic Cooling kaum bis keine Gemeinsamkeiten mit anderen Netzteilen zu. Ein riesiger Kühlkörper teilt den Raum in zwei Hälften. Schützend wie ein Unterstand verdeckt er eine Reihe von Bauteilen. Zwei weitere Kühlkörper befinden sich außerhalb der Reichweite der aktiven Kühlung durch den 80 mm-Ventilator. Auffällig ist ein Luftleitkanal aus Kunststoff. Der Luftstrom ist somit klar definiert, Verwirbelungen sind theoretisch kaum möglich. Optimal wäre demnach jedoch der Luftauslass direkt gegenüber dem Lüfter, teilweise verdeckt hier die kleine Platine, welche übrigens äußerst provisorisch befestigt wurde, das Heck. Ein weiteres Stück Kunststoff schließt sich direkt daneben an, womit der Luftstrom auf weiteren Widerstand trifft – eine suboptimale Lösung.


Wie sollte es anders sein, ein Lüfter aus den eigenen Reihen trägt zur Kühlung des Netzteils bei. Detaillierte Information zum F8 Pro können der Herstellerseite leider nicht entnommen werden.

Viele, viele Besonderheiten kamen zum Vorschein, die in der Praxis näher beleuchtet werden müssen. Schreiten wir also zur Tat und bringen das Netzteil an seine Grenzen.