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Effizienzmessungen

Mit 89% Effizienz lehnt Amacrox sich weit aus dem Fenster. Oftmals sieht man Angaben von 80% oder gar 85% auf den Verpackungen diverser Hersteller, doch nahezu 90%, das wagte sich bislang kaum einer. Was ist also dran?
Um einen Vergleich trotz fehlender Stromstärkenmessgeräte zu realisieren, haben wir die Input-Leistung in verschiedenen Lastbereichen des Calmer mit der des Enermax-Referenznetzteils verglichen. Laut dem 80-Plus-Zertifikat, kann dieses mit durchschnittlich 82% Effizienz arbeiten. Geht man also von diesem Wert aus, lässt sich in etwa die Effizienz unseres Testgerätes erahnen. Auf Prozentangaben haben wir bewusst verzichtet.





In allen Auslastungsbereichen arbeitet das Calmer sparsamer als das Enermax. Das ist auf den ersten Blick erkennbar. Ist die Differenz im Idle-Betrieb und somit bei niedriger Beanspruchung noch nichtig, zeigen sich unter Volllast deutlichere Unterschiede zugunsten des Amacrox-Schützlings. Beachtet man nun, dass das Enermax Liberty 500W bereits ein 80Plus-Zertifikat besitzt und mit einer durchschnittlichen Effizienz von 82% arbeitet, lässt sich vermuten, dass die Angabe von 89% Wirkungsgrad durchaus im Bereich des Realistischen liegt.



Lautstärkeemissionen

Es kommt nicht gerade selten vor, dass man bei seinen Bemühungen den Computer stets ein Stückchen leiser zu bauen, bald auf Geräusche stößt, die man nicht entkoppeln, wie einen Lüfter herunterregeln oder dämmen kann. Immer wieder tauchen sie in Foren unter Bezeichnung wie Fiepen, Piepen, Spulensurren auf. Zusammenfassen kann man sie unter dem Oberbegriff Nebengeräusche. Wie auch bei Lüftern, existieren diese bei so ziemlich allen Bauteilen im Computer, durch die starke Ströme fließen. Da wären z.B. die Spannungswandler auf dem Mainboard, die Spannungswandler auf den Grafikkarten oder auch die Spulen und Spannungswandler in Netzteilen. Meist stellen sie sich einem als letzte Hürde zum subjektiv lautlosen Computer in den Weg und können sich dabei, bedingt durch die Qualität der Bauteile sowie den Willen Fortunas, als ziemlich hartnäckig erweisen.

Hat der Käufer eines Calmer AX 460-PFL01 ebenfalls mit derartigen Geräuschen zu rechnen? Um diese Frage für den Leser transparent beantworten zu können, haben wir vier Aufnahmen erstellt: Zwei mit dem Calmer, zwei mit dem Referenznetzteil Enermax Liberty 500W. Mit dem Audiorecorder von Windows in CD-Qualität aufgenommen, später dann mit CDex 1.31 und dem integrierten Lame-Encoder auf 128 Kbit/s heruntergerechnet, bieten wir eine Aufnahme bei 158W Idle / 280W Last und eine bei 195W Idle / 385W Last für das Calmer. Zum Vergleich haben wir auch die Geräuschentwicklung von unserem Referenznetzteil aufgenommen: Einmal bei 162W IIdle / 305W Load, sowie bei 205W Idle / 410W Load.
Am Anfang ist lediglich die Umgebung zu hören, dann haben wir zuerst Prime95 25.5 angeschaltet, daraufhin ATI Tool Beta 0.27a in Gang gesetzt. Da die Mikrofonpositionierung in allen vier Fällen identisch war, sind die beiden Hörproben untereinander vergleichbar, wenngleich die Hintergrundakustik zuweilen abweichen mag.

Bei dieser Aufnahme ist ein leichtes "Tsutseln" zu vernehmen, sobald Prime95 startet. Dazu gesellt sich dann durch das ATI-Tool ein sirenenartiges Geräusch, welches selbst auf 3 Meter Entfernung noch hörbar ist, wenn auch nur leise. Wie gleich zu hören sein wird, kommt letzteres auch mit dem Enermax vor. Es stammt nicht etwa vom Netzteil, sondern von der Grafikkarte. Wieso wir es trotzdem mit aufgenommen haben, wird sich gleich zeigen.



Nicht nur die Hintergrundgeräusche haben sich verändert (die Frequenz der Aquastream wurde kurzfristig geändert, da sie mit 60Hz anfing schrecklich laut zu brummen), sondern auch die Nebengeräusche. Im Vergleich zum Calmer ist das Grafikkarten-Heulen mit dem Enermax Liberty 500W einen Tick zurückhaltender. Das bestätigt auch der subjektive Eindruck des Testers.



Bei der zweiten Aufnahme ist eine deutliche Steigerung der Störgeräusche erkennbar. Sowohl das "Tsutseln" als auch das Spulensingen der Grafikkarte haben an Intensität zugelegt. Glücklich ist der, der keine Grafikkarte mit Spulensurren besitzt. Das "Tsutseln" alleine ist zwar störend, jedoch gerade vertretbar, sowohl in seiner Lautstärke als auch seiner Beschaffenheit.



Und auch bei unserer letzten Aufnahme zu den Nebengeräuschen bewahrheitet sich die anfängliche Vermutung. Mit dem Enermax Netzteil ist das Aufheulen der Grafikkarte unseres Testsystems weniger laut wahrnehmbar. Scheinbar besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen dem Spulensurren der Grafikkarten und dem eingebauten Netzteil - inwiefern allerdings, entzieht sich unserer Kenntnis.



Der 120mm Lüfter

Mit Erstaunen haben wir den 120mm ADDA Lüfter im Lieferumfang erblickt. Ein wenig Nachforschung auf der Herstellerseite half uns, die Produktbezeichnung AD1212LS-A71GL in aussagekräftige Werte zu übersetzen.
Es handelt sich hierbei um einen Gleitlager-Lüfter, welcher mit maximal 1800 U/min bei 0.24A und 72 CFM, selbst bei 5V Ansteuerung, kein Leisetreter sein dürfte.

Um die Lautheit des ADDA-Lüfters besser und subjektiv vergleichen zu können, haben wir uns auch hier entschieden Sound-Dateien aufzunehmen, die der Leser sich mittels Kopfhörer oder Boxen anhören kann. Als Referenz diente uns hierbei ein D12SL-12, der selbst bei bei Silencern einen guten Ruf genießt. Aufgenommen wurde mit einem Philips SBC ME570 Mikrofon sowie dem Windows-Aufnahmegerät. Zu Beginn ist stets der Hintergrund zu hören, dem dann kurz darauf der erste Lüfter (siehe Bezeichnung) folgt. Daraufhin zum Vergleich wieder nur der Hintergrund und schließlich der zweite Lüfter.

Es sei dabei angemerkt, dass jede Aufnahme in sich geschlossen zu betrachten ist. Untereinander sind sie leider nicht vergleichbar. Das hat den Grund, dass das Mikrofon das Gehörte bei 12V Lüfterspannung in einer bestimmten Ausrichtung besser wiedergab als bei 5V. Für die 5V Aufnahme war es jedoch wieder zu ungünstig platziert, um das Lüftergeräusch wahrzunehmen.



Bei 12V sind die zusätzlichen 600 Umdrehungen pro Minute des ADDA deutlich hörbar. Nebengeräusche fallen lediglich in Form von einem leichten Klackern an, welches jedoch nur beim Anlaufen zu vernehmen ist. Trotzdem ist der Geräuschpegel als Ergänzung für ein passives Netzteil außerhalb der Toleranz-Grenzen.



Bei 5V und 750 U/min spielt der ADDA seinen Trumph aus: Keine Nebengeräusche, nur ein tief vibrierender Motor. Hier könnte sich selbst ein empfindlicher User überreden lassen, den Lüfter zu verbauen, obgleich er vom praktisch lautlosen Yate Loon erneut in seine Schranken verwiesen wird.

Im Endeffekt ist Drehzahl und Lärmpegel des Lüfters jedoch von der im Netzteil verbauten Steuerung abhängig. Auch hier haben wir eine Aufnahme parat. Im Idle-Betrieb bei 158W netzseitig aufgenommen, beweist diese, dass von dem Betrieb des Lüfters über das 2-Pin-Kabel des Calmers dringend abzuraten ist.



Wieso dem so ist, erklären folgende Spannungsmessungen.





Amacrox hatte also eine gute Idee, die jedoch schlecht umgesetzt wurde. Ein passives Netzteil mit einem temperaturgesteuerten Gehäuselüfter auszurüsten, das ist lobenswert. Allerdings sollte dieser in weitaus niedrigeren Drehzahlbereichen von 5V bis höchstens 7V arbeiten, da der Lautstärkevorteil der passiven Kühlung sonst verloren geht.