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Praxistest


Auf der theoretischen Seite hat Lian Li alles dafür getan, ein Gehäuse zu erschaffen, welches durch den Verzicht auf Werkzeug für die Montage und ein leises Betriebsgeräusch punkten soll. Schauen wir uns an, was davon in der Praxis übrig geblieben ist. Wir starten mit dem gewollten Verzicht auf Schraubendreher & Co. Bereits beim Netzteil haben wir erwähnt, dass die Montage wahlweise mittels Schrauben oder durch einen großen Bügel erfolgen kann. Bei Verwendung des Bügels muss zwar einiges an Kraft aufgewendet werden, jedoch sitzt das Netzteil danach auch bombenfest. Einzig bei massiven Kalibern der 1000+ Watt Kategorie empfehlen wir zur zusätzlichen Sicherung den Einsatz von Schrauben. Beim Einbau der Festplatten vertraut Lian Li auf eine Art Wechselrahmen. Die HDDs werden dabei mit einem Haltebügel im Rahmen fixiert und dann in ihre Position geschoben. Der Rahmen ist dabei durch Gummi vom eigentlichen Festplattenkäfig entkoppelt. Das ganze System an sich funktioniert sehr gut, die Entkopplung bleibt jedoch ein wenig auf der Strecke. Zwar werden die Geräusche im Vergleich zum Einbau in einen starren Käfig gemildert, vollends eliminiert werden sie allerdings nicht. Lobenswert dafür ist die Unterstützung für 2,5"-Modelle, also auch Solid-State-Drives.


Bei den optischen Laufwerken vertraut der Hersteller auf eine simplere Konstruktion. Die Schiene zur Fixierung der Laufwerke wird einfach weggeklappt, das Laufwerk in Position geschoben und zu guter Letzt kommt die Schiene wieder in Position. Danach sitzt das Laufwerk fest an seinem Platz. Einfach und effektiv. Für die Montage des Mainboards bietet Lian Li die Möglichkeit, Thumbscrews zu verwenden. Ob diese zur Anwendung kommen, ist dem Nutzer selbst überlassen, da hierbei gegebenfalls die Platzverhältnisse auf dem Mainboard durch diverse Bauteile und Kühlkonstruktionen eingeschränkt sein können. Zudem sollte geprüft werden, dass sämtliche Schrauben, die das Mainboard halten, auch sicher sitzen, besonders wenn CPU-Kühler zum Einsatz kommen, welche mit einem hohen Gewicht aufwarten. Eindeutig ein Lob aussprechen können wir den Ingenieuren aus Taiwan für die patentierte Lösung der Befestigung der Erweiterungskarten. Durch ein einfaches Umlegen eines kleinen Hebels sitzen die Karten entweder stramm an ihrem Platz oder können problemlos ausgebaut werden. Die gesamte Konstruktion verkraftet dabei auch locker höhere Gewichte, die zum Beispiel durch große und schwere Grafikkartenkühler auftreten können.


Die verbauten Lüfter können leider nicht vollends überzeugen. Für ein wirklich leises System drehen sie einfach zu schnell. Andererseits gewährleistet der Hersteller natürlich so eine ausreichende Belüftung, damit die geliebten Komponenten nicht überhitzen. Dennoch empfehlen wir dem potenziellen Käufer, gleich noch eine Lüftersteuerung zusätzlich zu erwerben, wenn es wirklich leise sein soll. Apropos: Die Frontklappe erlaubt aufgrund ihrer Konstruktion die Verwendung von Lüftersteuerungen, bei denen die Bedienknöpfe bis zu etwa 1,8 cm nach vorne herausragen. Das Dämmmaterial, welches sich an den Seitenteilen und hinter der Frontklappe befindet, hinterlässt einen gespalteten Eindruck. Eine Dämpfung der Geräusche findet nur minimal statt. Die primäre Aufgabe scheint eher darin zu liegen, die Seitenteile schwerer zu machen, damit das leichte Aluminium nicht all zu sehr mitschwingt.